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Freunde üben Rücksicht

Eltern engagieren sich an Winnender Schulen gegen Gewalt – Das Projekt wird finanziell gefördert durch den vom Kreisjugendring koordinierten „Aktionsplan Winnenden“

„Was ist das eigentlich, `Sachbeschädigung`“, fragt die Moderatorin in die Runde. Da müssen die Kinder aus der 3a nicht lange überlegen. „Wenn jemand Sachen kaputtmacht“…, „…absichtlich!“ „den Fußball aufschneidet“, „genau!“. Wer eine Antwort weiß, darf sie auf ein Plakat schreiben. Kleingruppenarbeit ist heute in der Schule angesagt. „Und wie fühlt sich jemand, dessen Sachen kaputtgemacht werden?“, lautet die nächste Frage. „Traurig“, „wütend“, „schlecht“.
Auch das schreiben die Schülerinnen und Schüler auf die Plakate. Die Kinder in der Winnender Hungerbergschule nähern sich in ihren Kleingruppen einzelnen Facetten des großen Themenbereichs der Gewalt: „Körperliche Gewalt“, „Ausgrenzung“, „Erpressung“, „Gewalt durch Worte“….Zusammen mit den Moderatoren kreisen sie jeweils eines dieser Unterthemen schrittweise ein, sammeln Fakten, erspüren Emotionen. Und sie suchen gemeinsam nach Antworten auf die Frage: „Was kann man denn dagegen tun?“. Auch hier fällt den Kindern recht schnell eine Menge ein: „Den Eltern erzählen“, sprudelt es etwa in der Gruppe „Erpressung“. „Der Lehrerin sagen!“ „Mit dem Erpresser reden!“ Hilfe holen!“. Die Kinder sind voll und ganz bei der Sache.
Ohne Mühe können sie sich in die Problemlagen hineindenken, einfühlen und Schritte für praktikable Lösungen überlegen. Am Ende fasst jede Gruppe für ihren Teilbereich einen richtigen Beschluss und trägt den auch allen anderen Kindern vor. In der Gruppe „Ausgrenzung“ klingt das dann zum Beispiel so: „Wir haben beschlossen: Jeder gehört dazu!“. Keine 10 Jahre alt sind die Jungen und Mädchen, die Grundsätzliches zum sozialen Miteinander derart prägnant auf den Punkt bringen. Da fragt man sich: Wie heißt denn dieses Unterrichtsfach?

Verbindung zwischen Lehrern und Eltern

Auf dem Stundenplan der Klasse 3a der Hungerbergschule in Winnenden steht an diesem Freitag das Projekt „f.ü.r – Freunde üben Rücksicht“. Und Klassenlehrerin Frau Buchta erhält heute besonders viel Unterstützung von Müttern und von Vätern, denn: “f.ü.r.“ ist ein Elternprojekt. Als Reaktion auf zunehmende Gewaltbereitschaft unter Kindern und an Schulen ist dieses Programm im Jahr 2000 aus Elterninitiativen heraus entstanden. Heute ist. “f.ü.r.“ ein eingetragener Verein, dem bundesweit mehrere Elterngruppen angehören, und der inzwischen auch Ableger in der Schweiz unterhält. “f.ü.r.“ möchte Eltern eine Möglichkeit bieten, positiven Einfluss auf das Miteinander in einer Schulklasse zu nehmen. Das Projekt will Verbindung zwischen Lehrern und Eltern schaffen:„Wir ziehen an einem Strang, entgegen der üblicherweise zunehmenden Distanz“, lautet das Credo.

Die Gruppen entstehen an allen Orten nach dem gleichen System. Im ersten Schritt müssen die Schulleiter von der Projektidee überzeugt werden. Als zweites werden die Inhalte während eines Elternabends ausführlich vorgestellt, in der Hoffnung dass sich interessierte Eltern finden, die dann gemeinsam eine aktive Gruppe bilden. Und diese Eltern lassen sich anschließend in Workshops durch die „f.ü.r.“-Geschäftsstelle in Altensteig für die Projektarbeit ausbilden. Finanziell gefördert wird die Elterninitiative „f.ü.r.“ in Winnenden aus Mitteln des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“: Zusammen mit dem Kreisjugendring Rems-Murr e.V. hat die Stadt innerhalb dieses Programms den „Lokalen Aktionsplan Winnenden“ (LAP) entworfen, der entsprechende Projekte unterstützt.

  • Aktionsplan Winnenden
    Auch für das Jahr 2013 stehen aus dem Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ Fördermittel für Lokale Aktionsplan-Projekte (LAP) in Winnenden zur Verfügung. Als Koordinierungsstelle für den LAP Winnenden bietet der Kreisjugendring Hilfe bei Fragen und bei der konkreten Antragstellung an, so dass sich niemand durch formale Hürden abschrecken lassen sollte.

„Die Kinder sind voll bei Sache“

In der Hungerbergschule haben sich an diesem Freitag acht Elternteile, Väter wie Mütter gleichermaßen, für den Einsatz frei gemacht. Sie moderieren die Kleingruppen, schlüpfen in Kinderrollen und schauspielern, fragen, erklären, singen, musizieren und gestalten einen sehr lebendigen Mitmach-Unterricht.

Der Schulleiter der Hungerbergschule, Holger Frank, steht voll und ganz hinter den „f.ü.r.“-Eltern und ihrer Initiative. „Der Bedarf für solche Projekte ist an allen Schulen vorhanden“, so seine Überzeugung. Das Projekt passe sehr gut in den Unterricht und komme mit der altersgerechten Umsetzung bestens bei den Kindern an. „Es ist wunderbar, wenn man die Kinder dabei beobachtet, die sind richtig gefesselt!“. Das Engagement der Eltern beeindruckt den Schulleiter ebenfalls. „Ich finde es toll, wenn Eltern sich so engagieren. Ich kann es nur begrüßen, wenn Eltern sich derart in die Schule einbringen. Die Eltern schlüpfen in die Rolle der Lehrkräfte, aber sie haben durch die gut ausgearbeiteten Rollenspiele einen ganz anderen Ansatz und setzen das Thema methodisch sehr vielfältig um!“.

In der 3a gehört dazu unbedingt auch die Musik. Eine Mutter greift zur Gitarre und alle gemeinsam üben das neue Lied „I want to be a friend“.

Danach gibt es einen Umbau im Klassenraum: Die Stühle werden in Zweierreihen aufgestellt, die Kulisse eines Schulbusses entsteht. Im Rollenspiel „Die Sache mit Robert“ führt sich ein Schüler im Bus als Grobian und großer Bestimmer auf. Was tun gegen den Kerl? Die Kinder überlegen Lösungsstrategien, spielen ihre Ideen vor, überlegen noch bessere Lösungen, spielen die Szene ein weiteres Mal. Aber nicht nur die Jungs stehen bei „f.ü.r.“ im Rampenlicht. Im Rollenspiel „Die Sache mit Sarah“ wird ein etwas pummeliges Mädchen übel ausgegrenzt: Man veralbert sie, niemand will sie beim Sport in der Mannschaft haben… Den Kindern kommt das sehr bekannt vor, sie sprudeln nur so vor Lösungsideen.

Getragen im „Netz der guten Worte“

Den Eltern des „f.ü.r“-Projektes ist es wichtig, den Kindern trotz des schwierigen Themas der Gewalt ganz am Ende etwas Positives zurück zu lassen. Und so sammeln sie zum Abschluss „gute Worte“ für die Kinder. Ein Schüler macht den Anfang: Positive Eigenschaften werden für ihn gesammelt, aufgeschrieben und mit seinem Foto an ein Netz an der Wand geheftet. Gleichzeitig stehen alle Kinder eng im Kreis. Wer etwas Positives sagen kann, bekommt ein sehr langes Seil zu fassen und gibt es danach an den nächsten weiter: „Er kann gut Fußball spielen, …ist ein guter Erfinder … witzig… schnell…“. Allmählich bildet sich ein Netz aus dem Seil zwischen den Kindern, das immer enger wird. Ob dieses Netz auch trägt? Die Schüler probieren es aus, der Junge legt sich vorsichtig auf das Netz – und siehe da: es hält!

Von diesem positiven Abschluss sind alle begeistert, auch die Elterngruppe der Geschwister-Scholl-Realschule, die an diesem Vormittag mit dabei ist. Sie haben sich das Ganze erst einmal angesehen, allerdings nicht ohne Hintergrund: eine Klassenlehrerin an ihrer Schule habe über Gewalt-Probleme in einer sechsten Klasse berichtet. Auch hier sind es die Eltern, die aktiv werden möchten, so Roland Balmer, der Elterbeiratsvorsitzende. Und von dem was er über „f.ü,r,“ bisher gehört und jetzt auch gesehen hat, ist er sehr angetan. Ginge es nach ihm, dann gäbe es so ein tragendes „Netz der guten Worte“ auch schon bald an der Schule seiner Kinder.

„f.ü.r.“- Ansprechpartnerin in Winnenden ist Doris Hilt, Telefon: 07195/920340

Weitere Infos sind zu finden unter: www.aktionsplan-winnenden.de

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