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Der Wäschemeister macht seine Arbeit top

Der gehandicapte Moritz nimmt an einem Pilotprojekt des Kreisjugendrings teil und absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Moritz ist ein fröhlicher junger Mann. Jedem, der ihm begegnet, zaubert er ein Lächeln ins Gesicht. Seit einiger Zeit erprobt er sich im Arbeitsleben, und das ist für ihn nicht ganz so einfach wie für andere seines Alters, denn er hat das Downsyndrom. Text von Simone Schneider-Seebeck.

BACKNANG. Seit mittlerweile fast 15 Monaten nimmt Moritz an einem Pilotprojekt des Kreisjugendrings Rems-Murr zum Thema Inklusion teil. Schon seit Langem gab es dort die Überlegung, wie behinderte Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren könnten. Doch bisher gibt es dazu noch keine Konzepte. „Menschen mit geistigen Behinderungen brauchen andere Rahmenbedingungen“, so Projektreferentin Angelika Roth vom Kreisjugendring, und die müssen erst geschaffen werden. So entstand die Idee des Freiwilligentandems.

„Die Möglichkeit haben, sich entscheiden zu können, das ist Inklusion“
Familie Hohnerlein, engagiert in der Elterninitiative Forum für Teilhabe, erklärte sich bereit, das Pilotprojekt mitzutragen. Von Montag bis Mittwoch arbeitet ihr Sohn Moritz in der Laufenmühle bei Welzheim im Rahmen eines Berufsbildungsbereichs (BBB) in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Dieser BBB dauert bis zu zwei Jahre und bietet die Möglichkeit einer Art Berufsausbildung. Donnerstag und Freitag macht er im Rahmen des BBB nun ein 15-monatiges Praktikum, bei dem er zunächst von Natalie Sturm, nun von Julia Schulze begleitet wird, die beim Kreisjugendring ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert haben beziehungsweise noch absolvieren.

Als Kooperationspartner fungiert der Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang. Seit September 2015 ist Moritz nun zwei Tage die Woche im Famfutur anzutreffen. Für den jungen Mann eine tolle Chance, verschiedene Tätigkeiten kennenzulernen und zunächst unter Anleitung, später allein, unterschiedliche Arbeiten auszuführen, seine Stärken kennenzulernen und ein Stück weit selbstständig zu werden.

Für Angelika Roth ist das Pilotprojekt ein gelungenes Beispiel für die Inklusion: „Die Möglichkeit haben, sich entscheiden zu können, das ist Inklusion.“ Es gibt Menschen mit Behinderung durch die Eins-zu-eins-Betreuung die Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Und auch der pädagogische Leiter Thomas Brändle vom Verein Kinder- und Jugendhilfe ist mit seinem Mitarbeiter zufrieden: „Es tut dem Haus gut, dass Moritz da ist. Er bringt eine menschliche Qualität mit rein.“ Morgens wird Moritz von seiner Mutter zum Bus gebracht und fährt mittlerweile allein bis zum Backnanger Busbahnhof. Dort holt ihn Julia ab und begleitet ihn zum Famfutur. Nach einer Tasse Kaffee geht es dann los.

Hausmeister Halil Altay verteilt die Aufgaben, und er ist sehr zufrieden mit dem jungen Mann. „Man merkt, dass ihn die Eltern sehr fördern“, meint er. „Er ist sehr gründlich.“ Im Sozialen Warenhaus (SoWas) wird nachgeschaut, ob die Kleidung ordentlich zusammengelegt und gestapelt ist. Einiges entspricht nicht Moritz’ Ordnungssinn, und so holt er sich die Kleidungsstücke heraus und faltet sie bedächtig und fein säuberlich. Jeder, der an ihm vorbeikommt, wird von dem jungen Mann freundlich begrüßt.

Während des Faltens erzählt Moritz. Er hat ein sehr gutes Gedächtnis, er weiß das aktuelle Datum besser als manch anderer und er erinnert sich beispielsweise noch genau an das Mittagessen, das er vor einigen Monaten im Krankenhaus bekommen hat. Er musste wegen einer Lungenentzündung behandelt werden und das hat ihm gar nicht gefallen, denn er mochte nicht untätig dort herumliegen. „Top hab ich’s gemacht“, sagt er zufrieden, nachdem er mit Wäschefalten fertig ist. Nach dem SoWas geht es in die Kindertagesstätte.

Dort wartet eine Trocknerladung Lätzchen und Geschirrtücher darauf, zusammengelegt zu werden. Während Moritz diese faltet, macht er Witze und erzählt von seinem Geburtstag. Wenn er mal mit einer Sache angefangen hat, dann ist er schwer davon wegzubekommen. „Er ist sehr ordentlich. Moritz macht alles perfekt“, lobt Julia, die ihn schließlich an die Mittagspause erinnern muss. Bei seinen verschiedenen Tätigkeiten ist Moritz mittlerweile sehr selbstständig geworden, egal, ob es darum geht, zu schreddern, mit der Kehrmaschine den Hof zu säubern, Ringbücher zu stanzen oder mit dem Hochdruckreiniger zu arbeiten.
Eigentlich muss ihm Julia nur noch sagen, wo es als Nächstes hingeht. Zurzeit üben sie den Umgang mit dem Handy. Die Nummern von Julia und den Eltern sind als Kurzwahl eingespeichert, und ein Klingelton soll ihn an die Pause erinnern. Um 15 Uhr bringt Julia ihn dann wieder hoch zum Backnanger Bahnhof und achtet darauf, dass er in den richtigen Bus einsteigt.

Fröhlich und herzlich: Das tut beiden Seiten gut
Ende des Jahres endet der BBB für Moritz Hohnerlein. Vermutlich kann er jedoch weiterhin neben der Laufenmühle zwei Tage die Woche im Famfutur begleitet arbeiten. Finanziert wird seine Arbeit dann durch das sogenannte persönliche Budget. Dieses Geld ist dazu gedacht, den individuellen Hilfebedarf eines behinderten Menschen zu finanzieren, beispielsweise eine Betreuungsperson. Es passiert sehr selten, dass behinderte Menschen außerhalb der Werkstatt tätig sein können. Das Wirken von Moritz im Famfutur, das durch dieses einzigartige Inklusionsprojekt ermöglicht wurde, zeigt, dass Menschen mit Behinderung ein Teil der Gesellschaft sind und nicht außerhalb stehen müssen. Und es tut ihm und auch den Menschen ohne Behinderung gut, diesen fröhlichen und herzlichen jungen Mann unter sich zu haben – mit allen Schwächen und besonders seinen Stärken.

Quelle: BKZ (15.12.2016)


Inklusion heißt auch: Vieles ist möglich!!!

Ab Januar 2017 gibt es für junge Menschen mit Behinderung wieder die Möglichkeit ein „Freiwilligentandem“ in Begleitung mit einer FSJlerIn zu machen. Im Zeitraum von 6 – 15 Monaten, gestalten zwei junge Menschen ihren „Freiwilligendienst“ oder unterstützen sich an einem Arbeitsplatz. Siehe Zeitungsartikel in der BKZ vom 15.12.2016.

Kontakt und Info

Angelika Roth


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