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„Denk mal an Deine Zukunft!“ – Das neue Projekt „Begleitkreise“ beim Kreisjugendring

"Auch wünschen will gelernt sein" -  Die Leiter des Projekts „Abenteuer Inklusion“ beim Kreisjugendring Rems-Murr, Elke Tigli und Simon Maier, vor dem "Denkmal Zukunft"

„Auch wünschen will gelernt sein“ – Die Leiter des Projekts „Abenteuer Inklusion“ beim Kreisjugendring Rems-Murr, Elke Tigli und Simon Maier, vor dem „Denkmal Zukunft“

Elke Tigli ist begeistert. Sie strahlt von Kopf bis Fuß und zeigt auf den schweren Felsbrocken, der mitten im Stadtpark von Murrhardt liegt. “Das ist er!“ Der klobige, tonnenschwere Stein scheint die junge Frau regelrecht aufgewühlt zu haben. „Das Besondere an diesem Stein“, sagt sie, „ist seine Inschrift!“: „DENK-Mal ZUKUNFT“ steht da mit großen Lettern in den Stein gemeißelt. „Diese Inschrift hat mich richtig elektrisiert“, gesteht die 25-Jährige, die beim Gehen auf einen Rollator angewiesen ist. Immer wieder sei ihr das Motto durch den Kopf gegangen. „Denkmal Zukunft“. Und immer wieder habe sie dabei im Stillen den Satz „Denk mal an deine Zukunft“ daraus formuliert. Genau diesen Satz würde die Mitarbeiterin des Kreisjugendrings Rems-Murr am liebsten allen Menschen mit Behinderung zurufen: “Denk mal an deine Zukunft! Darum geht`s doch: Um deine, um meine, um unsere Zukunft!“

Abenteuer Inklusion

Wie wird die Zukunft von Menschen mit Behinderung aussehen? Wie könnte sie aussehen? Was könnten wir verändern? Elke Tigli beschäftigt sich mit diesen Fragen auch beruflich sehr intensiv. Zusammen mit ihrem Kollegen, dem Rollstuhlfahrer Simon Maier, leitet sie beim Kreisjugendring das Projekt „Abenteuer Inklusion“. Das von der Aktion Mensch geförderte Projekt möchte einerseits den Betroffenen Mut zur eigenen Lebensgestaltung machen, und andererseits Menschen ohne Behinderung für die Thematik sensibilisieren.

Ganz aktuell entwickelt Elke Tigli einen Projektbaustein, der den Titel „Begleitkreise“ trägt. Nach dem ursprünglich aus Kanada stammenden Konzept der ‚Circles of support’ sollen für einzelne Menschen mit Behinderung individuelle „Unterstützerkreise“ aufgebaut werden. Das Ziel dieser Kreise beschreibt Elke Tigli so: “Es geht darum, das Selbstbewusstsein und den Selbstwert der betroffenen Menschen zu stärken, und zwar dadurch, dass sie gemeinsam mit den Unterstützern Ziele erreichen, die sie vorher nicht für machbar hielten“. Elke Tigli hat sich für dieses Projekt das Handwerkszeug von der REHA Südwest in Stuttgart geholt und sich ausbilden lassen zur „Moderatorin für persönliche Zukunftsplanung in Unterstützerkreisen“.

Die Barrieren im Kopf

Jetzt sollen die Unterstützerkreise beim Kreisjugendring erste Gestalt annehmen. Für Simon Maier ist der allmähliche und behutsame Start des Projekts „Begleitkreise“ passend und richtig. „Das soll kein Strohfeuer werden“, unterstreicht er. „Wir wollen, dass die Begleitung über einen längeren Zeitablauf gesichert werden kann, und das funktioniert nicht durch schnellen Aktionismus. Die Begleitkreise sollen schließlich eine Stütze für die Zukunft sein“.

Derzeit suchen die Verantwortlichen sowohl Betroffene mit ihren bislang unerfüllten Wünschen, als auch Ehrenamtliche mit Lust und Laune zum Anpacken und Stützen. Erste Kontakte gibt es bereits. Und die Wünsche, die da geäußert wurden, sind alles andere als hochtrabend: Ein Teilnehmer suchte einfach nach Freizeitmöglichkeiten, eine Mutter nach gleichaltrigen Freunden für ihren 9-jährigen Sohn, der im Rollstuhl sitzt, und ein junger Erwachsener meldete sich, der als Rollstuhlfahrer für eine spätere Ausbildung eine Praktikumsstelle suchte. Mehr wünschen sich die Menschen mit Behinderung nicht? Warum zeigen sie sich so bescheiden?

Elke Tigli hat die Erfahrung gemacht: „Auch Wünschen will gelernt sein. Viele Betroffene können keine Wünsche äußern oder trauen sich jedenfalls nicht“. Das Er-Lernen der Fähigkeit, mit der eigenen Behinderung zu leben, gehe oft einher mit dem Ver-Lernen des Wünschens und Träumens. Und dann liegen sie da, wie Felsbrocken, die Barrieren im Kopf: „Wie-soll-das-denn-gehen?“, „Kriegst-du-ja-nie- hin!“, Wird-ja-doch-nichts!“…Man hat schließlich seine Erfahrungen gemacht. Und man zieht seine Schlüsse. Am Ende sind die Gedanken vielleicht frei – aber nicht barrierefrei.

„Begleitkreise“

Der erste Schritt im Projekt „Begleitkreise“ klingt einfach – in Wahrheit ist er ganz schön schwer, so Elke Tigli: „Du darfst dir jetzt etwas wünschen! Du darfst sagen, was dich interessieren könnte! Du darfst an deine Zukunft denken!“. Das ist es, was sie den Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Begleitkreise vermitteln will. “Das Wegräumen der Barrieren“, sagt sie, „fängt mit dem Wegwünschen an“.

Und vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Elke Tigli so sehr vom „Denkmal Zukunft“ so begeistert ist, obwohl der Stein ja eigentlich dem Thema der ökologischen Nachhaltigkeit gewidmet wurde (siehe Kasten). „Die Teilnehmer, die bei uns einen Begleitkreis gründen, sollen lernen, Wünsche an die Zukunft auszudrücken, Netzwerke zu gründen und selbstbestimmter zu leben – das hat sehr viel mit Nachhaltigkeit zu tun, und mit bewusster Leben“. Und so bleibt es dabei: Elke Tigli ist fest entschlossen, den Stein und das Motto „Denkmal Zukunft“ ins Logo ihres Projekts „Begleitkreise“ einzubauen.

  • Ein Denk-Mal für die Zukunft

    Üblicherweise erinnert ein Denkmal an Vergangenes. Nicht so das „Denk-mal Zukunft“, das im Stadtpark von Stadt Murrhardt steht.
    Auf Initiative des Vereins „Anders besser leben“ wurde es im Frühjahr 2011 als ein Denkmal für unsere Zukunft geschaffen: es soll uns daran erinnern, dass unser Verhalten heute entscheidend dazu beiträgt, wie lebenswert die Welt von morgen ist.
    Der Beschluss für ein solches Denkmal im Gemeinderat war einstimmig. Umgesetzt wurde er in einer gemeinsamen Kooperation von Jugendzentrum Murrhardt, Schülermitverantwortung des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums und NABU-Jugend. Bestandteil des Zukunftsdenkmals sind auch drei (Vogelbeer-) Bäume, die im Halbkreis um den Stein als Symbole der Nachhaltigkeit und der Zukunftsfähigkeit gepflanzt wurden.
    Jede der drei beteiligten Gruppen stiftete jeweils einen Baum und übernimmt die Patenschaft dafür.

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