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Mit Pompfen auf der Jagd nach dem Jugg

Neue Sportart Juggern kann beim Sporttag des Kreisjugendrings in Fornsbach ausprobiert werden

Juggern ist eine junge Sportart mit hohem Spaßfaktor, bei der man sich richtig verausgaben kann. Und das taten rund ein Dutzend Jugendliche beim Sporttag des Kreisjugendrings in der Gemeindehalle in Fornsbach. Unter fachlicher Anleitung kämpften sie mit sogenannten Pompfen, Q-Tips und Kette um den Jugg.

Viel Action und Einsatz zeigten die Teilnehmer beim Juggern. Foto: J. Fiedler

MURRHARDT. Es geht ordentlich zur Sache, wenn die Spieler mit den Sportgeräten, die Pompfen genannt werden, aufeinander losgehen. Erlaubt ist ziemlich viel: schlagen, stoßen, den Gegner umklammern und festhalten oder mit einer Kette attackieren. Aber keiner muss um seine Knochen fürchten, denn die Pompfen sind dick gepolstert, um Verletzungen zu vermeiden.

Juggern ist eine aufstrebende junge Sportart, die in den 1990er-Jahren aufkam und auf den Endzeitfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“ aus dem Jahr 1989 zurückgeht. Was in dem Film brutal daherkommt und oft mit Platzwunden und Knochenbrüchen endet, hat sich in der Realität zu einem Turniersport mit einem Regelwerk, verschiedenen Ligen und einer jährlich ausgetragenen deutschen Meisterschaft entwickelt, der aufgrund des hohen Spaßfaktors auch in der Jugendarbeit eingesetzt wird.

14 Jugendliche und junge Erwachsene waren der Einladung des Kreisjugendrings in die Gemeindehalle in Fornsbach gefolgt und erhielten von Simon Breunig vom Team Schwaikheim-Jukk/er eine Einführung ins Juggern. Ziel des Spiels ist es, den Spielball, Jugg genannt, ins gegnerische Tor zu bringen. Dies darf jedoch nur der sogenannte Läufer, der als Einziger der fünf Spieler einer Mannschaft ohne Sportgerät unterwegs ist. Die anderen vier Spieler, Pompfer genannt, unterstützen den Läufer, indem sie versuchen, die gegnerischen Spieler durch einen Treffer auf den Körper zu einer kurzen Auszeit zu zwingen, die diese auf dem Spielfeld kniend verbringen müssen. Zum Einsatz kommen Stäbe in verschiedenen Längen, die Lang- oder Kurzpompfen oder – wegen ihrer Wattestäbchenform – Q-Tip heißen, dazu ein Schild, um sich zu verteidigen, und eine martialisch aussehende Kette mit Kugel. Der Name Pompfe beschreibt lautmalerisch das Geräusch, wenn ein Spieler damit einen Gegner trifft.

Die Sportgeräte haben Simon Breunig und seine Teamkollegen mit einfachen Mitteln selbst hergestellt: Stäbe oder Rohre aus Kunststoff werden mit Rohrisolierung gepolstert, die anschließend mit schwarzem Klebeband fixiert wird.

„Es ist nichts erlaubt, was wehtut“, ermahnt Breunig die Jugendlichen, bevor diese zum Aufwärmen ein paar Runden „Zombie“ spielen, bei dem zunächst der Einsatz der Pompfen geübt wird.

Anschließend werden zwei Mannschaften gebildet und es wird ernst, wenn auch nicht bierernst. Die Spieler messen ihre Kräfte in spektakulären Duellen, schwingen mit vollem Körpereinsatz ihre Pompfen, weichen den gegnerischen Schlägen unter abenteuerlichen Verrenkungen aus und gehen in halsbrecherisch aussehenden Stürzen zu Boden, kurz: Sie geben alles. Währenddessen wuseln die Läufer Haken schlagend durchs Gedränge und versuchen, den Jugg zu platzieren. Als ein besonders ausdauernder Läufer erweist sich der zehnjährige Josua Braun aus Murrhardt, der unzählige Male den Jugg im gegnerischen Tor versenkt.

Dabei zeigt sich, dass beim Juggern Geschicklichkeit, Ausdauer und taktisches Gespür gefragt sind. Und nicht zuletzt eine gute Kondition. In den kurzen Trinkpausen sitzen die Spieler ausgepowert am Boden und stärken sich mit Getränken, Obst und Süßigkeiten. Bis Josua Braun zum Weitermachen aufruft: „Auf geht’s, hopp, hopp!“

Auch Mohamad Awad aus Syrien schnappt sich seine Pompfe und geht wieder aufs Spielfeld. Macht’s Spaß? Er strahlt und hebt im Vorbeigehen den Daumen.

Melina Bayler aus Aspach ist das einzige Mädchen unter lauter Jungen und Männern. Sie erweist sich als engagierte Kämpferin auf dem Spielfeld, die sich mit vollem Einsatz in jeden Zweikampf stürzt. „Ich bin einfach gekommen, um mal was Neues auszuprobieren“, sagt die 15-Jährige auf der Ersatzbank, noch ganz außer Atem und mit roten Backen. „Es sieht lustig aus und macht großen Spaß, ist aber ziemlich anstrengend und braucht Taktik. Und auch Fairness ist ganz wichtig“, findet Melina. Im Anschluss an das kräftezehrende Match ließen die Sportler den Nachmittag im Fornsbacher Jugendtreff Milchhäusle bei einem Pizzaessen ausklingen.

Der Sporttag war Teil einer Reihe von Veranstaltungen, die der Kreisjugendring im Rahmen des Projekts „Vielfalt tut gut“ im Oberen Murrtal organisiert. In sechs Gemeinden (Sulzbach an der Murr, Murrhardt, Spiegelberg, Großerlach, Fichtenberg und Oberrot) finden verschiedene Aktionen statt, erläutert Angelika Roth, Projektreferentin beim Kreisjugendring. Dazu gehören Workshops für Schüler, ein Stammtisch, Musik-, Kultur- und Sportevents sowie Video-Interviews mit Bürgern. Die nächste Veranstaltung ist ein Konzert mit der Münchener Band Jamaram am 27. April um 20 Uhr in der Stadthalle in Murrhardt, als Vorgruppe spielt die Kölner Band Karlsson.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts „a place to be“ der Baden-Württemberg-Stiftung statt.

Quelle: Murrhardter Zeitung (07.04.18)

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